Arbeitgeber suchen händeringend geeignete Kräfte am Arbeitsmarkt. Sie finden jedoch kaum geeignete Kandidaten, obwohl es gut ausgebildete junge Menschen gibt. Was läuft da schief? Katarína Nevedalová, Mitglied im Ausschuss für Kultur und Bildung im Europäischen Parlament gibt Antworten.

Die slowakische EU-Abgeordnete Katarína Nevedalová hofft, dass Partnerprogramme zwischen Schulen und Firmen helfen können, junge Menschen auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes vorzubereiten. Im Interview erläutert sie die Reformvorschläge, die am 17. September im Bildungsausschuss verabschiedet wurden.

 

Die Bildungssysteme der EU-Staaten unterscheiden sich stark. Lässt sich da überhaupt eine gemeinsame Schwachstelle finden?

EU Abgeordnete Katarína Nevedalova„Die Bildungssysteme der EU entsprechen nicht den Anforderungen des Arbeitsmarktes. Wir haben eine außergewöhnlich hohe Anzahl von Universitätsstudenten und gleichzeitig eine außergewöhnlich hohe Anzahl von Arbeitslosen, deren Ausbildung auf dem Arbeitsmarkt nicht gefragt ist.

Junge Menschen, die sich für ein Studium entscheiden, müssen darüber nachdenken, was sie mit ihrer Ausbildung später anfangen können.

Wir wissen, was in den nächsten 20 Jahren auf dem Arbeitsmarkt gefragt sein wird. Aber wir müssen dafür auch vorbereitet sein. Wir sprechen von alternden Bevölkerungen, aber niemand kümmert sich um den Pflegebedarf, den Bedarf an Krankenschwestern und Ärzten. Wir wissen auch, dass die EU in zwei Jahren rund eine Million Fachkräfte im ITK-Bereich benötigt, aber diese Spezialisten sind derzeit noch nicht in Ausbildung.“

 

Sie schlagen in ihrem Bericht Partnerschaften vor. Wie könnte das aussehen?

„Lehrer müssen wissen, für wen sie ihre Studenten ausbilden, für welchen Arbeitsmarkt und welche Firmen. Bisher sind duale Systeme hier am erfolgreichsten, bei denen die Studenten oder Schüler gleichzeitig auch eine Ausbildung in einer Firma absolvieren. Einige Unternehmen bilden sogar Lehrer aus, damit diese neue Fähigkeiten an ihre Schüler weitergeben.“

 

Sie legen viel Wert auf lebenslanges Lernen. Warum?

Katarína NEVEDALOVÁ im EU Parlament

„Schätzungen der EU-Kommission zu Folge werden Arbeitnehmer in Zukunft bis zu zehn Mal während ihrer Karriere den Beruf wechseln. Sie müssen sich neuen Anforderungen stellen, neue Technologien beherrschen und dafür ist lebenslanges Lernen unverzichtbar.“

 

 

 

Bildung bleibt aber Aufgabe der einzelnen EU-Staaten. Was kann die EU hier tun?

Die EU kann Empfehlungen abgeben. Außerdem haben wir auch das Austauschprogramm Erasmus+ für 2014-2020, das nicht nur Studenten sondern auch Lehrer anspricht.

(Quelle: Europäisches Parlament)
(Fotos: EP/Katarína Nevedalová)

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