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Charttechnisch setzt sich die Erholung im DAX fort, wenn der Widerstand bei 10.123 Punkten überwunden wird. Darüber tritt die Hürde bei 10.325 in den Vordergrund. UND: In den USA steht mit der Berichtsaison für das I. Quartal 2016 die schlechteste seit 2009 bevor.

DAX: Auf der Unterseite gibt zunächst die psychologisch wichtige Marke bei 10.000 Punkten Halt. Darunter liegen die nächsten Unterstützungen bei 9.947, 9.893 sowie zwischen 9.790 und 9.753.

Im Euro Stoxx 50 warten auf dem Weg nach oben die nächsten Hürden bei 2.990 Punkten, am kurzfristigen Abwärtstrend bei rund 3.000 und schließlich bei 3.090 sowie 3.137 Punkten. Auf der Unterseite verlaufen Widerstände in der Zone zwischen 2.950 und 2.930 Punkten sowie bei 2.860, 2.800 und darunter 2.756 Punkten.

In den USA steht mit der Berichtsaison für das I. Quartal 2016 zwar die schlechteste seit 2009 bevor. Doch wurde dieser Dramatik im Vorfeld entgegengewirkt: So deutlich wie in den ersten drei Monaten haben Analysten – mit Unterstützung der Unternehmen selbst – ihre Gewinnschätzungen seit fünf Jahren nicht mehr gesenkt. „Positive“ Gewinnüberraschungen werden an der Tagesordnung sein. Auch dies belegt, dass eine durchweg robuste US-Konjunktur Illusion, aber nicht Realität ist.

Die Argumente für die Fortsetzung der US-Leitzinswende schwächen sich damit ab. Insofern wird die Fed, die bislang ein Störenfried an den Aktienmärkten war, wieder zu einem Befrieder. Das Jahreshoch von Dow Jones und S&P 500 ist die logische Folge.

Zur Wahrung der internationalen Finanz- und Bankenstabilität und damit zur Verhinderung einer Vertrauenskrise an den Finanzmärkten mit Auswirkungen wie 2008 – wie sie der IWF theatralisch befürchtet – kommt die globale Geldpolitik ohnehin an einer auch zukünftig eindeutigen Stimulierungspolitik nicht vorbei. Die oft auch von Politkern formulierte Kritik an zu freizügigen Notenbanken ist nur vorgeschoben. Sie wissen natürlich, dass mit Blick auf die Überschuldung, die Griechenland-Krise, sich hartnäckig haltende Bankenprobleme und Deflationstendenzen die Rückkehr zu einer normalen Geldpolitik auf lange Zeit, wenn nicht sogar permanent verbaut ist.

 

Robert Halver: MDAX kompensiert Belastungen

 

Für eine fundamentale Stützung der Aktienmärkte sorgen sicherlich die sich zuletzt stabilisierende chinesische Konjunktur und steigende Rohstoffnotierungen. Selbst der zuletzt erstarkende Euro ist ein weniger starker Belastungsfaktor für deutsche Aktien als gemeinhin erwartet. So kann der MDAX als Aktienindex mit besonders industrie- und vor allem exportlastigen Aktien die seit 2015 höher notierende Gemeinschaftswährung gut parieren.

Allerdings bleibt die Verbesserung fundamentaler Daten fragil. Denn die Weltkonjunktur spricht selbst auf die lockerste Geldpolitik aller Zeiten wenig an. Aus Risikoaversion mangelt es an nachhaltiger Investitionsbereitschaft der Unternehmen. Überhaupt, das Ausbleiben staatlicher Infrastrukturinvestitionen verbessert die Lage in Europa sicherlich nicht.

Auf der politischen Seite leidet die EU weiter unter Eurosklerose. Das Gemeinschaftswerk Europa zeigt nicht nur in puncto Flüchtlingskrise deutliche Risse. Vor diesem Hintergrund kommt der am 23. Juni bevorstehenden Abstimmung der Briten über Verbleib oder Ausscheiden in bzw. aus der EU große Bedeutung zu. Der Brexit würde aller (Finanz-)Welt die politischen Zerfallserscheinungen in Europa klar vor Augen führen und zu Irritationen und Verunsicherungen führen. Trotz dieser Zersetzungsgefahr scheint die Dringlichkeit einer harmonischen Zusammenarbeit in Europa nicht begriffen zu werden. Stattdessen ist die Renationalisierung auf dem Vormarsch, die als Bremsklotz für europäische Aktien wirken kann.

Der Autor dieses Artikels ist Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank AG. www.bondboard.de

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