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Die US-Notenbank Fed sollte sich nicht wie ein trotziges Kind aufführen und eine Zinserhöhung nur deshalb durchführen, um der Finanzwelt zu zeigen, dass sie es kann. Anstehende Entscheidungen haben auch Auswirkungen auf den Handel mit Aktien.

Sollte die US-Notenbank Fed dennoch die Zinsen im Dezember erhöhen, sollte sie aber so weise sein, dass sie die Märkte anschließend dahingehend beruhigt, zukünftig nur homöopathisch restriktive Zinspolitik zu betreiben. Eine wirklich restriktive US-Geldpolitik darf kein Charakterzug der Finanzmärkte werden. Alles andere wäre fatal. Die Fed sollte sich ihrer tragenden Rolle bei der Stabilisierung von Weltkonjunktur und Finanzmärkten sowie zur Deflationsbekämpfung sehr bewusst sein. Die Aktienmärkte werden insofern durch sie geldpolitisch, aber auch zunehmend fundamental unterstützt.

Sicherlich verunsichert die wenig dynamische chinesische Konjunkturverfassung. Stützend wirkt allerdings, dass Peking in seinem neuen Fünf-Jahres-Plan vor keiner noch so planwirtschaftlichen Maßnahme zurückschreckt, um wirtschafts- und finanzpolitisch massiv gegenzusteuern.

 

Aktien im MDAX profitieren

 

Ein Übriges tut die eindeutig konjunkturfördernde Geldpolitik der EZB. Sie schwächt den Euro und stärkt die Exportindustrie. Für die Stimmung in der deutschen Industrie ist dies insgesamt förderlich wie die ifo Geschäftserwartungen bereits antizipieren. Auch die robuste Entwicklung des MDAX als Sammelbecken konjunktur- und exportreagibler Aktien zeugt von dieser positiven fundamentalen Einschätzung.

boerse mdax aktien kurs

 

Der Bewertungsvergleich mit Zinsanlagen spricht auch für Aktien. Wendet man auf beide Anlageklassen die Bewertungsmethode Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) an, ist der DAX mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 13 bewertet. Das mag absolut keine geringe Bewertung sein. Doch wenn Staatsanleihen auf Basis der deutschen Umlaufrendite mit einem Wert von 300 aufwarten, erkennt man zügig die wirklich völlig überbewertete Anlageklasse.

 

Charttechnik DAX und Euro Stoxx 50: Die Erholung geht weiter

 

Aus charttechnischer Sicht warten im DAX die nächsten bedeutenden Barrieren in der Kurslücke zwischen 11.154 und 11.278 Punkten. Innerhalb dieser Lücke leistet der seit April bestehende Abwärtstrend bei aktuell 11.228 Punkten Widerstand. Darüber liegen weitere Hürden bei 11.600 und 11.800 Punkten. Auf der Unterseite wartet im Fall einer Korrektur die nächste Unterstützung bei 10.652 Punkten. Darunter gibt die Kurslücke zwischen 10.587 und 10.508 Punkten und die starke Unterstützung bei rund 10.200 Punkten Halt.

Im Euro Stoxx 50 liegt die erste Widerstandszone zwischen 3.417 und 3.473 Punkten. Wird diese nachhaltig überwunden, ist der Weg bis zur Kurslücke zwischen 3.580 und 3.602 frei. Dieser wird durch den mittelfristigen Abwärtstrend bei zurzeit 3.594 Punkten noch verstärkt. Unterstützung findet das Barometer dagegen in der Zone zwischen 3.325 und 3.290. Die nächste nennenswerte Auffanglinie verläuft darunter bei rund 3.200 Punkten.

Der Autor dieses Artikels ist Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank AG.

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