Robert Halver

Die ifo Geschäftserwartungen für die Eurozone kommen exportseitig insbesondere deutschen Unternehmen zugute. Denn deren Exporte in die Euro-Länder konnten zuletzt um 4,4 Prozent zum Vorjahr steigen.

Weltweit verzeichnet die deutsche Exportindustrie sogar einen Rekordüberschuss von 20,4 Mrd. Euro. Das schlägt sich insbesondere auch bei den konjunktursensitiven und exportstarken deutschen Mittelstandsaktien nieder, die seit 2009 – auf Basis MDAX im Vergleich zu den DAX-Werten – eine im Trend deutliche Outperformance zeigen.

Aber auch die großen DAX-Konzerne haben ihr Kurspotential noch nicht ausgeschöpft. Der DAX-Performance-Index – mit Dividendenberücksichtigung – befindet sich zwar auf hohem Niveau. Inflationsbereinigt ist er jedoch 11 Prozent von seinem Zwischenhoch vom 7. März 2000 entfernt.

Bezogen auf den DAX Kurs-Index – ohne Dividendeneinbeziehung – wäre das so berechnete Kurspotenzial noch höher. Bis zum Stand vom 7.3.2000 beträgt die Differenz 63 Prozent.

 

Die geldpolitischen Tauben werden wohl nie mehr müde

Die Weltwirtschaft stabilisiert sich. So bestätigen überraschend um 5,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegende Exporte, dass sich die chinesische Wirtschaft auf einem stabilen Konjunkturpfad befindet. Auch die US-Wirtschaft entwickelt sich mit einem Wachstum im abgelaufenen III. Quartal von 2,8 Prozent zum Vorjahr dynamisch. Die Konjunkturstimmung zeigt sich ebenso optimistisch. So notiert der ISM Index für das Verarbeitende Gewerbe mit einem Wert von 56,4 – der höchste Stand seit 31 Monaten – komfortabel im expansiven Bereich. Ähnliches gilt für den US-Dienstleistungssektor. Offensichtlich hat die Unsicherheit über die Auswirkungen des government shutdown zu keiner Verschlechterung der US-Konjunkturstimmung geführt.

Selbst in Euroland zeigt sich die Konjunkturstimmung im IV. Quartal 2013 von ihrer optimistischen Seite. Setzt man die ifo Geschäftslage euroländischer Unternehmen zu den ifo Geschäftserwartungen gemäß den vier typischen Phasen eines Konjunkturzyklus zueinander in Bezug, ist eine Stimmungsverbesserung der euroländischen Wirtschaft ablesbar. Sowohl Geschäftslage als auch -erwartungen haben sich erneut aufgehellt.

Unterschiede ergeben sich jedoch bei der detaillierten Länderbetrachtung. Zwar weist der euroländische Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe insgesamt mit 51,3 weiterhin auf Expansion hin. Das ist jedoch insbesondere der sich aufhellenden Wirtschaftsstimmung in Deutschland – unser Einkaufsmanagerindex liegt mit 51,7 an der euroländischen Spitze – zuzuschreiben. Dagegen verhindern die anhaltenden Strukturprobleme in der Euro-Südzone eine breitere Konjunkturdynamisierung Eurolands. So deutet der italienische Einkaufsmanagerindex mit 50,7 lediglich auf ein maues Wachstum hin. In Frankreich entfernt sich der Index zuletzt mit 49,1 sogar noch weiter von der Expansion anzeigenden Schwelle von 50. Die in Italien oder Frankreich getätigten „Reförmchen“ reichen nicht aus, um deren wirtschaftliche Lage nachhaltig zu verbessern. Dies ist auch der Grund, warum die Rating-Agentur Standard & Poor’s die Bonität Frankreichs um eine Stufe auf „AA“ verringerte. Immerhin ist für 2014 gemäß Herbstprognose der Europäischen Kommission mit einem euroländischen Wachstum von 1,1 Prozent die Wirtschaftsschrumpfung von 2012 und 2013 beendet.

 

Euroland wird weiter mit Schulden gerettet

Um diesen Erholungsprozess nicht zu gefährden, wird man die prekären Euro-Staaten in punkto Sparvorgaben weiter schonen. So bleibt zwar Frankreich gegenüber den im Frühjahr deutlich reduzierten Sparvorgaben im Zeitplan, dies aber nur aufgrund von wirtschaftsfeindlichen Steuererhöhungen. Und in Italien wird die sich sogar weiter deutlich verschlechternde Verschuldungslage von der politisch gelähmten Regierung in Rom völlig ignoriert.

Die dramatischen Schuldenstände der Euro-Staaten einerseits und die solide Vermögenslage privater Haushalte andererseits wecken Begehrlichkeiten in der Politik. Ein Vorschlag von Frau Lagarde, der Chefin des Internationalen Währungsfonds, zur Sanierung der Staatsfinanzen in Form einer Sondersteuer in Höhe von 10 Prozent auf privates Vermögen liegt bereits vor. Zwar steht eine Umsetzung nicht unmittelbar bevor. Allerdings scheint man Anlegern damit „Angst-Anreize“ geben zu wollen, das Ersparte entweder konjunkturwirksam auszugeben oder den Anleihemärkten zur weiteren Sicherung des Staatsschuldenabsatzes zur Verfügung zu stellen.

 

EZB im Kampf gegen das Deflationsgespenst

Trotz Widerstands im EZB-Rat wurde der Leitzins auf das historische Tief von 0,25 Prozent gesenkt. Darüber hinaus wurde den Banken die Vollzuteilung eines jeden Liquiditätswunsches bis mindestens Mitte 2015 zugesichert.

Die EZB ist gezwungen, ihre geldpolitische Offensive konsequent fortzusetzen. Mit der Notenbankzinssenkung reagiert sie auf die zuletzt stark rückläufige Inflation in der Eurozone, die sich seit September 2011 von drei Prozent auf aktuell 0,7 Prozent verringerte. Angesichts der Tatsache, dass die bisher schon ultralockere Geldpolitik der EZB noch nicht ausreichte, die eurozonale Wirtschaft nachhaltig aus der Misere zu bringen und sich jetzt sogar zeigende Deflationsrisiken haben die EZB veranlasst, den Finanzmärkten mit – auch real, also inflationsbereinigt – weiter sinkenden Leitzinsen unmissverständlich klar zu machen, dass die Geldpolitik noch sehr lange ein fester verlässlicher Stützpfeiler für Konjunktur und Finanzmärkte in Euroland sein wird. Im Übrigen erlaubt ihr die massive Unterschreitung des EZB-Inflationsziels von zwei Prozent sogar noch eine weitere Zinssenkung bzw. die Senkung des Einlagenzinses für von Banken bei der EZB geparkten Geldes auf Null Prozent bzw. negatives Niveau.

Und selbst mit diesen qualitativen geldpolitischen Maßnahmen wäre das Ende der Möglichkeiten der EZB noch lange nicht erreicht. Bis dato hat die EZB noch für keinen Euro-Cent Anleihenaufkäufe getätigt. Und genau mit diesem quantitativen Instrument der Liquiditätsversorgung würde sie das zur Krisenbekämpfung absolut schärfste Schwert ziehen.

 

Leitzinssenkungen erhöhen Attraktivität von Staatsanleihen

Dass damit nicht zuletzt auch der Euro gegenüber dem US-Dollar und dem japanischen Yen nachgegeben hat – mit bislang 0,5 Prozent Leitzins war die Eurozone gegenüber den USA und Japan ein Hochzinsland – nimmt die EZB mit Aussicht auf günstigere Exportaussichten Eurolands sehr gerne in Kauf.

Auch wenn die direkte realwirtschaftliche Wirkung der Leitzinssenkung begrenzt sein dürfte, hat die EZB einen indirekten Impuls fest im Blick. Denn für Banken ist es jetzt noch attraktiver, Fristentransformation – kurzfristig zum günstigen Leitzins ausleihen, langfristig zu höheren Staatsanleiherenditen anlegen – zu betreiben. Über diesen Weg kommen die Euro-Staaten in den Genuss einer erhöhten Nachfrage nach ihren neuen Schuldtiteln, die ihnen kurstreibend und damit renditesenkend die preisgünstige öffentliche Schuldenaufnahme für neue Konjunkturpakete gewährt. Eine gewisse Ersatzbefriedigung für die schwachen Nachfrageaggregate Konsum, Investitionen und Export ist insofern zu erwarten.

Insgesamt nimmt im Zuge der internationalen Nullifizierung der Notenbankzinsen die Renditedrückung bei Staatsanleihen kein Ende. Nach einem kurzzeitigen Anstieg in Folge der Tapering-Ängste seit Mai 2013 zeigt sich die Rendite einer angenommenen „Triaden-Staatsanleihe“ – ein gleichgewichteter Durchschnitt der Renditen 5-jähriger US-, japanischer und deutscher Staatsanleihen – wieder rückläufig. Anleihen sind weiterhin keine Alternative zu Aktien.

 

Leitzinssenkungen erhöhen Attraktivität von Staatsanleihen

Die deutsche Berichtsaison stimmt insbesondere für den Ausblick positiv und unterstreicht damit die positiven Konjunkturprognosen. So hält BMW seine vielversprechende Gewinnprognose für 2013 aufrecht. Beiersdorf hob seine Umsatzprognose für 2013 leicht an. Adidas hält zumindest an der bereits im September um gut 7 Prozent gesenkten Jahresprognose fest. Mit Blick auf die 2014 anstehende Fußball-Weltmeisterschaft zeigt sich das Unternehmen ohnehin optimistisch. Continental fällt ebenfalls mit einem positiven Ausblick auf.

 

Aktuelle Marktlage und Charttechnik

[gn_dropcap style=“1″ size=“3″]U[/gn_dropcap]nter dem Strich dürften die weitere – wenn auch künstliche – Stabilisierung der Weltkonjunktur und natürlich das anhaltend positive geldpolitische Umfeld den Aktienmärkten im Trend weiter zu gute kommen. Vor diesem Hintergrund kann der DAX bis Ende des Jahres neue Höchststände bis zu 9.500 Punkte erzielen.

Jedoch sind zwischenzeitliche Korrekturen am Aktienmarkt einzukalkulieren. So deutet in den USA die aktuell sehr geringe Anzahl der Aktienpessimisten als Kontraindikator auf erhöhte Volatilitäten hin.

Aus charttechnischer Sicht dürfte dem DAX aufgrund der zuletzt überkauften Lage eine Atempause durchaus bevor stehen. Eine mögliche technische Reaktion trifft aber bereits bei 8.900 und darunter bei 8.850 Punkten auf ersten Halt. Sollte es zu einer stärkeren Korrektur kommen, rücken die Unterstützungen bei 8.770 und 8.692 Punkten in den Vordergrund.

Setzt der deutsche Leitindex seinen Höhenflug allerdings weiter fort, so trifft der bei 9.118 Punkten auf einen ersten Widerstand. Darüber erweist sich die psychologisch wichtige Marke bei 9.500 Punkten als Hürde.

 

Und das passiert in der nächsten Woche

Auf Unternehmensebene neigt sich die Berichtsaison für deutsche Unternehmen dem Ende zu. Eine schwächere Nachfrage aus Asien dürfte sich negativ im Ergebnis von Lanxess niederschlagen. Die Versorger E.ON und RWE bekommen die Folgen des Atomausstiegs zunächst weiter zu spüren. Bei K+S dürfte der starke Preisdruck bei Kalisalz Tribut gefordert haben. Merck dürfte trotz negativer Währungseffekte seine Gewinnprognose für 2013 bestätigen. Die Ergebnisse der Deutschen Post sowie von Henkel sollten nicht negativ überraschen.

Auf Makroebene bekräftigen die Zahlen zur US-Industrieproduktion das Bild einer sich abgeschwächt fortsetzenden US-Konjunkturerholung.

Auch in Japan dürfte sich die geldpolitisch begünstigte, positive Konjunkturentwicklung in den anstehenden BIP-Zahlen für das III. Quartal 2013 niederschlagen.

In Deutschland dürften die vorläufigen BIP-Zahlen für das abgelaufene III. Quartal zwar vergleichsweise schwächer ausgefallen sein. Jedoch handelt es sich hierbei lediglich um eine Wachstumsdelle auf dem Weg der weiteren Konjunkturerholung.

Der Autor dieses Artikels ist Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank AG.

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