Der Kapitalmarktexperte und DAS Börsengesicht Robert Halver von der Baader Bank geht in seiner Analyse auf die Geldpolitik der EZB ein und auf die Konjunkturentwicklung in der Euro-Zone.

Die Sparbemühungen der Eurozone schmelzen dahin wie der Schnee in der aktuellen Frühlingssonne. Beim Treffen der Euro-Finanzminister hat man sich auf eine grundsätzliche Lockerung der Sparpolitik für wirtschaftlich angeschlagene Euro-Staaten geeinigt. Diese Solidaritätsbekundung macht eine schuldenfinanzierte Konjunkturpolitik für Italien & Co. wieder hoffähig. Man gibt damit der Protesthaltung der Euro-Südzone – allen voran der französisch-italienischen Achse – nach, um auch ja die euro-politische Zwangsharmonie um jeden Preis zu erhalten. Krisenpotenziale werden auf Kosten der Stabilität verhindert.

Entscheidende Schützenhilfe kommt weiterhin von der EZB. Sie bleibt bei ihrer expansiven Geldpolitik und wird – wenn nötig – den Notenbankzins weiter senken. Zwar hat sie auf ihrer letzten Sitzung davon abgesehen, da die zwischenzeitliche Abschwächung des Euros den Zinssenkungsdruck von der EZB genommen hat und eine zu frühzeitige Zinsentspannung nach der italienischen Parlamentswahl zu offensichtlich nach Krisenprävention ausgesehen hätte. Da die EZB ihre Wachstums- und Inflationsprognose herunter revidiert hat – sie sieht das Wirtschaftswachstum 2013 mit durchschnittlich -0,5 Prozent leicht geringer als noch vor drei Monaten mit -0,3 Prozent und schätzt die Inflationserwartungen mit 1,3 schwächer als im Vorquartal mit 1,4 Prozent ein – hat sie sich aber alle Hintertüren für eine zukünftige Senkung des Notenbankzinses offen gehalten.

[gn_heading style=“1″]Konjunktur? Läuft wieder![/gn_heading]

Und auch die weltkonjunkturelle Stimmung bietet keinen Anlass zur Sorge. In China liegt der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe mit einem Wert von 50,1 – durch das chinesische Neujahrsfest etwas abgeschwächt – zum fünften Mal in Folge über der Expansion anzeigende Schwelle von 50 und dokumentiert insofern das gelungene soft landing der chinesischen Wirtschaft. Ohnehin wird die neue chinesische Regierung ihren Fokus auf ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum legen und zur Beseitigung wirtschaftlicher Ungleichgewichte im Export die Stärkung des Binnenkonsums vorantreiben. Zur weiteren Konjunkturunterstützung setzt Peking zudem auf staatliche Konjunkturprogramme.

Auch die US-Konjunkturerholung nimmt weiter Fahrt auf. Der ISM Index für das Verarbeitende US-Gewerbe stieg mit einem Wert von 54,2 auf den höchsten Stand seit Juni 2011 und signalisiert eine sich allmählich erholende US-Industrie, die auch zunehmend von dem Rückenwind der Weltwirtschaft profitiert. Zudem verlagern immer mehr US-Unternehmen ihre Produktion aufgrund steigender Kosten in den Schwellenländern wieder zurück nach Amerika. Diese Anfänge der hoffnungsvollen amerikanischen Reindustrialisierungsphase schlagen sich auch am US-Aktienmarkt nieder.

. Schließlich sorgt die US-Notenbank – wie zuletzt von Fed-Vizechefin Yellen betont – mit ihrer auch weiterhin expansiven Geldpolitik weiterhin für günstige Refinanzierungsbedingungen, die die ohnehin vergleichsweise geringen Zwangskürzungen abfedern. Insbesondere die nachhaltig anhaltende, üppige Geldpolitik motivierte den US-Aktienleitindex Dow Jones Industrial Average zwischenzeitlich auf ein neues Allzeithoch zu steigen.

[gn_quote style=“1″]Die Mutter aller Anlageblasen wird nicht platzen[/gn_quote]

Ohnehin ist ein Ausstieg der Fed aus ihrer üppigen Liquiditätspolitik kaum vorstellbar. Denn die üppige Liquiditätsausstattung lässt sich kaum wieder zurück führen, ohne massive Schäden in der Realwirtschaft und an den Finanzmärkten anzurichten.

Ein Platzen der Blase am US-Staatsanleihemarkt wäre die Folge dieses geldpolitischen Experiments. Keine andere Anlageklasse kann auf eine ähnlich lange Hausse zurückblicken wie der US-Rentenmarkt. Seit Ende 1981(!) befindet sich dieser im Trend im Steigflug. Sollte nun die Fed auf die Idee kommen, die zuvor aufgekauften Staatsanleihen aus ihrem Portfolio wieder zu dann erforderlichen günstigen Konditionen an die Banken zu verkaufen, wäre das Niedrigzinsumfeld schnell beendet und Kreditwachstum und Konjunktur hätten mit Kollateralschäden zu rechnen.

Auch ein Einbruch am US-Aktienmarkt wäre vorprogrammiert und die von der Fed so hart erarbeitete Vermögenspreisinflation, die die Konsumenten zu verstärkten Käufen bzw. die Unternehmen zu erhöhten Investitionen anregen sollte, beendet. Vor diesem Hintergrund bleibt der US-Notenbank keine andere Alternative, als ihre renditedrückende und inflationierende Geldpolitik solange fortzuführen, bis sich die Konjunktur nachhaltig gefestigt hat und die Arbeitslosenzahlen gesunken sind. Doch auch das ist nur die halbe Wahrheit. Da Amerika zur Wiederbelebung seiner Infrastruktur dringend Investitionen braucht, wird man auf absehbare Zeit nicht am positiven Zins- und Kreditumfeld rütteln können.

Und in diesem Umfeld unattraktiver US-Staatsanleihemärkte avancieren US-Aktien zu einem attraktiven Auffangbecken.

[gn_heading style=“1″]Japanische Notenbank als neue liquiditätspolitische Großmacht[/gn_heading]

Der ab April amtierende, japanische Notenbank-Gouverneur Kuroda hat in einer für Japaner ungewöhnlich klaren Sprache verkündet, die Deflation in Japan zu beenden. Und die mit der geldpolitischen Offensive einhergehende Schwächung des japanischen Yen sorgte auch gleich für eine exportseitige Dynamisierung der Wirtschaft. Erste Erfolge sind bereits sichtbar. So ist der japanische Einkaufsmanagerindex als Frühindikator von 45 zu Jahresbeginn auf aktuell 48,5 angestiegen und befindet sich damit nur noch knapp unter der Expansion anzeigenden Schwelle von 50.

Und auf Unternehmensebene scheint der Abwärtstrend bereits gestoppt. Während japanische Industriewerte noch im Januar 2012 grundsätzlich dem gesamtwirtschaftlich negativen Gewinntrend folgten, verzeichnen sie bereits seit November 2012 im Trend deutlich aufwärts gerichtete Gewinnprognosen. Ausschlaggebend hierfür ist insbesondere die erwartete Nachfrage nach Produktionsgütern im Vorfeld des von der Regierung angekündigten Konjunkturprogramms. Zwar stehen die Technologiebranche sowie Banken, Pharma- und Bauwerte gewinnseitig noch unter Druck. Durch die in Japan mit vereinten Kräften von Politik und Notenbank betriebene Wirtschaftsbelebung, die auch gleichzeitig eine exportstärkende Abwertung der Währung zum Ziel hat, ist aber auch in diesen Branchen eine Gewinntrendwende zu erwarten.

Ein Plädoyer für Aktien

Grundsätzlich hat die global expansive Geldpolitik klaren Einfluss auf die Vermögensaufteilung der Anleger. Zwar orientiert sich die Über- bzw. Untergewichtung der Anlageklassen am Wirtschaftszyklus mit seinen Phasen (Aufschwung, Boom, Abschwung, Rezession). Dieser Zyklus wird aber von den Notenbanken mit Zinssenkungen und massiven Liquiditätsausweitungen erfolgreich daran gehindert, die Abschwung- oder gar Rezessionsphase zu erreichen. Eine wachstumsorientierte Geldpolitik, die auf Perspektive und sozialen Frieden fokussiert ist und die der Inflationsorientierung nur noch die zweite Rolle beimisst, ist unverkennbar. Und um diesen wirtschaftlichen Erholungsprozess weltweit nicht zu gefährden, wird eine Umkehr der offensiven Geldpolitik noch für lange Zeit ausbleiben.

Und im Rahmen einer aufschwungfördernden Geldpolitik sind die sachkapitalistischen Anlageklassen, allen voran Aktien, ein Muss. Nicht nur dienen sie Anlegern als Inflationsschutz. Sie profitieren auch von sich aufhellenden Konjunktur- und Gewinnperspektiven. Das spiegelt sich im Übrigen auch in den Ausblicken der deutschen Unternehmen im Rahmen der Berichtsaison wider. Dem fundamentalen Argument wird insofern auch Genüge getan. Und dass Liquidität der entscheidende Treiber für Aktien ist, ist ohnehin ein Naturgesetz.

[gn_heading style=“1″]Das passiert in der 11. KW[/gn_heading]

Auf Unternehmensebene präsentieren E.ON, K+S, HeidelbergCement und die Deutsche Lufthansa ihre Ergebnisse für das abgelaufene IV. Quartal 2012. Anleger schauen auch hier vor allem auf den grundsätzlich freundlichen Ausblick.

Unterdessen wird in Euroland auf politischer Ebene die „Romanische Schuldenunion“ weiter vorangetrieben. Denn der EU-Gipfel dürfte erneut zeigen, dass die Politik der Reformen und des Sparens einer neuen schuldenfinanzierten Konjunkturpolitik weicht.

In Amerika deutet der Empire State Einkaufsmanagerindex auf einen anhaltenden Erholungskurs der US-Wirtschaft hin. Das unterstreichen die „harten“ Daten der US-Industrieproduktion. Das gilt auch für den US-Konsum. Ein erneut steigendes Verbrauchervertrauen der Universität von Michigan sowie solide Einzelhandelsumsätze weisen darauf hin. In Deutschland weisen die Exportzahlen auf eine Stabilisierung des so wichtigen Außenhandels hin.

[gn_quote style=“1″]Da der DAX den Widerstand am bisherigen Jahreshoch bei 7872 Punkten überwinden konnte, sind aus charttechnischer Sicht Kursgewinne bis zum Widerstand an der psychologisch wichtigen Marke bei 8000 Punkten auf Schlusskursbasis ins Auge zu fassen. Anschließend liegt die nächste Kursmarke beim Allzeithoch von 8151.[/gn_quote]

Nach unten erhält der DAX die erste Unterstützung bei 7872 und darunter bei 7785 Punkten. Rutscht der DAX auch unter die Marke bei 7699 Punkten, findet er die nächste Unterstützung an der Zone zwischen 7600 und 7550 Punkten. Der nächste nennenswerte Auffangbereich liegt darunter zwischen 7450 und 7400 Punkten.

Der Autor dieses Artikels ist Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank AG. www.Baadermarkets.de.

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