Robert Halver

Am 26. Juli 2012 sorgte EZB-Chef Mario Draghi mit seiner Garantie, zur Not unbegrenzt Staatsanleihen der Eurozone zu kaufen, für Ruhe im Euro-Karton. Euroland hatte so etwas wie einen Pyrrhussieg errungen: Euro-Staatsschuldenkrise adé, aber der Euro-Exportwirtschaft tat es weh. Diese Exportschwäche traf auf eine Konjunktur in der Euro-Peripherie, die ohnehin teilweise aus dem letzten Loch pfiff.

Denn da dort die Politiker schmerzliche Wirtschaftsreformen aus Gründen ihrer besseren Wiederwählbarkeit partout verhindern wollten, blieben Unternehmensinvestitionen, Arbeitsplätze und Konsum ähnlich aus wie Badegäste im Strandbad bei einem verregneten Sommer.

In dieser Situation sah sich Mario Draghi gezwungen, mit neuerlichen Zinssenkungen und mit ab Oktober einsetzendem, weiter zinsdrückendem Liquiditätsregen in Form von Aufkäufen verbriefter Bankkredite konsequent dagegen zu halten. So wird er spätestens jetzt unfreiwillig zum ultimativen Erfüllungsgehilfen von Euro-Konjunktur und reformfaulen Politikern. Jetzt bekommen Banken noch günstiger Zentralbankgeld, um es schuldenhungrigen Euro-Staaten zum Zweck künstlicher Konjunkturbefruchtung in den Rachen zu werfen. Und die Banken bekommen ebenso Anreize, Kredite an die Privatwirtschaft zu geben, weil sie wissen, dass sie diese an die EZB ähnlich los werden können wie eine schwere Erkältung nach der Behandlung mit Antibiotikum.

Euro-Abwertung als willkommene Nebenwirkung der geldpolitischen Offensive

Wie die Teflon-Pfanne bei der Raumfahrt ist die Euro-Abwertung ein Abfallprodukt der Geldpolitik der EZB. Somit kann Draghi auch im Abwertungswettlauf zurückschlagen. Und in der Tat, der Euro gibt endlich gegenüber allen anderen Währungen nach. Ok, gegenüber fast allen Währungen, denn das britische Pfund leidet derzeit unter sich eventuell abschottenden Schotten. Insgesamt wird der Euroraum zinsseitig immer unattraktiver: In den USA wird allmählich die Zinswende eingeläutet und der amerikanische Liquiditätspegel wird zumindest nicht mehr gesteigert. Daneben scheint so mancher Nicht-Euro-Anleger der Meinung zu sein, dass die Staatsanleihekurse in der Eurozone mittlerweile so stark ausgelutscht sind, dass sie kaum mehr Potenzial besitzen.

Wenden globale Anleger sich also neuen, Euro-fremden Weidegründen zu, kehren sie logischerweise auch dem Euro den Rücken. Und das, was ab Mitte 2012 mit der Gemeinschaftswährung nach oben passierte, funktioniert auch nach unten. Die Euro-Baisse nährt die Euro-Baisse. In der Tat, an den Devisenterminmärkten scheint der Euro ausgespielt zu haben. Dort überwiegen längst die Spekulationen auf weiter fallende Euro-Notierungen gegenüber US-Dollar. Der Überhang an Short-Positionen nähert sich zügig dem Niveau vor dem Euro-Rettungsversprechen Mario Draghis im Juli 2012 an. Es spricht viel dafür, dass der Euro bis Jahresende sogar auf unter 1,25 und 2015 auf 1,15 fällt.

Damit würde aus dem festen Währungs-Fels von Gibraltar zwar noch keine lockere Schaumwaffel. Aber der Exportwirtschaft wäre durchaus geholfen. Natürlich werden vor allem die Japaner nicht tatenlos zuschauen, wie ein sich abschwächender Euro japanischen Exportprodukten das Wasser abgräbt. Sie werden versuchen, ihre Liquiditätskarten auszuspielen. Aber liebe Japaner, aufgepasst! Unser Mario hat gerade erst angefangen, gegen den Euro zu pokern. Aufkäufe von ABS-Papieren in Höhe von diskutierten 500 Mrd. Euro sind nur der Anfang. Da geht noch viel mehr. Seine Liquiditätstrümpfe hat er noch gar nicht ausgespielt. Spielt besser nicht Money Poker gegen Mario. Er ist wild entschlossen, den Euro auch gegen Yen deutlich zu schwächen.

Verehrte Anlegerinnen und Anleger, die EZB scheut sich nicht davor, auch noch die letzte Tasse des Stabilitätsgeschirrs der Bundesbank zu zerdeppern. Aber immerhin können wir uns mit den Freuden eines abwertenden Euros trösten.
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