Mit dem Trump Sieg sind immerhin Fakten geschaffen worden: Je mehr Zeit vergeht, desto mehr werden die Schwarz-Weiß-Betrachtungen weichen und die Grautöne überwiegen. Statt Emotion zwischen Euphorie und Untergangsstimmung wird immer mehr die Ratio die Oberhand gewinnen.

Wahlkampf war gestern, Realpolitik ist morgen. Das Oberste Gericht der USA sollte als schweres Handicap für eine allzu flott durchregieren wollende Regierung nicht unterschätzt werden. Auch Ronald Reagan und Bush jr. haben sich schon an ihm die Zähne ausgebissen.

Die „legendären“ Polit-Scharmützel zwischen Demokraten und Republikanern wird es aufgrund der stabilen Mehrheiten der Republikaner in weniger dramatischer Form geben. Eine absurde fiscal cliff-Krise wie 2012, die die USA unnötig an den Rand eines zumindest technischen Zahlungsausfalls geführt hatte – im März 2017 steht die nächste Erhöhung der US-Schuldenobergrenze an – wird es als Stör-Faktoren für US-Aktien nicht geben.

 

robert halver dow jones kursverlauf

 

Eine Ankurbelung der US-Wirtschaft ist sicher ein fundamentales Argument für US-Aktien. Der Dow hat zwischenzeitlich bereits ein neues Allzeithoch erreicht. Hauptprofiteure sind bereits jetzt die Industrie, Pharma- und Bankenwerte, was in ihrer Outperformance zum Ausdruck kommt.

 

 

Trump vs EU – das eigentliche politische Problem ist ein uneiniges Europa

 

Ohne Zweifel, für Deutschland als Exportnation und seine Aktienmärkte kann man aus dem Wahlsieg von Trump grundsätzlich viel Dramatik ableiten. Es ist zu hoffen, dass handelsrestriktive Wahlkampfthesen nicht zu tatsächlichen Regierungsthesen werden.

matteo renzi italienGrundsätzlich sollten die Trumpesken Risiken nicht unterschätzt werden. Denn die Zeiten werden für Deutschland insbesondere aus politischer Sichtweise größer. Die Wahl Trumps ist Kunstdünger für die Anti-Establishment- und Anti-Globalisierungsbewegungen in vielen EU-Ländern. So ist denkbar, dass viele Italiener das bevorstehende Referendum über die Verwaltungsreform als Herzstück der italienischen Reformbemühungen am 4. Dezember als willkommene Gelegenheit benutzten, um ihrer Euro-Verdrossenheit mit einem „Nein“ Ausdruck zu verleihen. Damit steigt die Gefahr einer Regierungskrise um Ministerpräsident Renzi und von Neuwahlen im nächsten Jahr.

Im Extremfall stünden 2017 vier Wahlen in den Niederlanden, Frankreich, Deutschland und eben Italien an, die zu Euro-feindlichen Wählerprotesten und insofern zu verstärkter politischer Eurosklerose mit enormem Schadenspotenzial auch für die Euro-Finanzmärkte führen könnten. Und der Hard Brexit kommt als Belastungsfaktor auch noch hinzu. Die EU hat jetzt die Gelegenheit, mit Strukturreformen der EU und der Eurozone zu zeigen, was sie kann. Und nur mit Einigkeit kann Europa gegen zu viel Trump anstinken.

Insgesamt ist zukünftig mehr Volatilität ¹ bei deutschen Aktien zu erwarten.

¹ Die Volatilität ist ein Risikomaß und zeigt die Schwankungsintensität des Preises eines Basiswertes innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Je höher die Volatilität, um so stärker schlägt der Kurs nach oben und unten aus und desto riskanter aber auch chancenreicher ist eine Investition in das Basisobjekt.

(Quelle: Baader Markets – Robert Halver)

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