Robert Halver im Gespräch

Sicherlich verunsichert die ungewohnt wenig dynamische Verfassung der chinesischen Konjunktur die allgemeine Aktienstimmung. Stützend wirkt jedoch, dass Peking vor keiner noch so planwirtschaftlichen Maßnahme zurückschreckt, um die Stabilität seiner Finanzmärkte zu gewährleisten.

Hilfreich ist ebenso die rückläufige Zinswendeangst in den USA. Stabilisierend ist auch die einstweilige Ruhe im (finanz-)politischen Euro-Karton. Von der deutschen Berichtsaison für das abgelaufene II. Quartal 2015 gehen bislang eher wenige Positiveffekte für deutsche Aktien aus: Laut Datenanbieter Bloomberg haben nur 47 Prozent der präsentierenden DAX-Unternehmen in puncto Gewinn überrascht.

Auch im Ausblick zeigen sie sich bis dato eher verhalten. Bayer ist in puncto Umsatzerwartungen aufgrund von Wechselkursschwankungen etwas weniger optimistisch. Ähnliches gilt für Linde, dessen im Ausblick angehobene Umsatzprognose im Gase-Geschäft einer anhaltenden Nachfrageschwäche im Anlagenbau gegenübersteht. Volkswagen hält zwar an seiner Gewinnprognose fest, rechnet aufgrund nachlassender Nachfrage aus China im Vorjahresvergleich aber nur noch mit stagnierenden Absätzen.

Immerhin, im Juli deuten die ifo Geschäftserwartungen auf eine etwas stabilere Stimmung in der deutschen Industrie hin. Dem weniger konjunkturdynamischen China wirken offensichtlich das wirtschaftliche Nachholpotenzial in der Eurozone und eine ultralockere Geldpolitik der EZB entgegen. Damit schwächt die EZB auch den Euro und stärkt insofern die deutsche Exportindustrie. Daneben kommen konjunktursensitiven Aktien die günstigen Rohstoffpreise zugute, die trotz Euro-Schwäche insgesamt zu Margen- und Kaufkraftverbesserungen führen. Insgesamt ist bis Jahresende von einer positiven Aktienstimmung auszugehen.

Charttechnik DAX und Euro Stoxx 50: Korrektur nach dem Höhenflug

Aus charttechnischer Sicht liegt beim DAX für den Fall einer fortgesetzten Korrektur eine erste Unterstützung bei 11.035 Punkten. Darunter verläuft die nächste Haltelinie bei 10.800 Punkten. Auf der Oberseite trifft der Index bei 11.288 Punkten auf einen ersten Widerstand. Darüber verlaufen weitere Hürden bei 11.340 und 11.414 Punkten. Werden diese überwunden, treten die nächsten Barrieren bei 11.420 und darüber bei 11.600 und 11.800 Punkten in den Vordergrund.

baader bank boerse muenchen

Im Euro Stoxx 50 geben der kürzlich überwundene Abwärtstrend bei derzeit 3.493 Punkten und eine noch nicht geschlossene Kurslücke zwischen 3.474 und 3.433 Punkten Halt. Knapp darunter verlaufen Unterstützungen bei 3.417 und 3.412 Punkten. Auf dem Weg nach oben warten die aktuell wichtigsten Widerstände bei 3.651 und knapp darüber im Bereich um 3.691 Punkte.

Der Autor dieses Artikels ist Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank AG.

 

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